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    ("Jessas na")


6. April 2001


Oberösterreichische Nachrichten, 06. 04. 2001

Jessas na

1971 sorgte Wolfgang A. Teuschl für einen Aufreger

Nach einer Lesung im August 1972 von Wolfgang A. Teuschl aus seinem Buch "Da Jesus und seine Hawara" berichteten die OÖN über die kontroversielle Stimmung "Jesus hat eben solche und solche Hawara".

Von Franz Thek

Bei den Diskussionen um das 1971 bei Residenz erschienene Buch hielten sich Gegner wie Befürworter der neutestamentarischen in den Wiener Dialekt übertragenen Bibeltexte etwa die Waage. Die fundamentale Volksseele machte sich mit Ausdrücken wie "Pülchertexte" oder "von heiligen Dingen kann man mit einem dreckigen Maul nicht sprechen", während etwa im Stiftsgymnasium Kremsmünster das Buch als Pflichtlektüre für die Oberstufe galt.

Teuschl musste sich auch sagen lassen, er springe auf den von H. C. Artmann eingeläuteten Dialektzug auf oder er nutze den grassierenden Jesus-Boom als Vehikel. Aber so richtig focht das den damals 28-jährigen Teuschl nicht wirklich an. Er schrieb weiter im Wiener Slang für sich, sein Publikum und fürs Kabarett (Keif, Sowinetz, Steinhauer, Lukas Resetarits). Sein von Kurt Sowinetz intoniertes "Alle Menschen san ma zwider" summten die Kinder auf der Straße.

Der Autor, der ein Studium der Physik und Mathematik begann, war bis zu seinem biblischen Erfolg Lektor und Übersetzer (englisch, französisch, spanisch). Zwanzig Jahre nach Erscheinen der "Hawara" starb Teuschl 57-jährig. Nun wurde das Buch im Verlag Karl Schwarzer neu aufgelegt. In angenehmer großletteriger grafischer Aufmachung und mit parallel laufenden Originaltexten in Hochdeutsch. Ergänzt werden die neun Kapitel der "Proletenbibel" mit dem Statement des Bibelwissenschafters Wolfgang Beilner, einem Laudatio-Versuch von Hans Weigel, einem Essay über die Anfänge des Christentums von H. G. Wells, Berichten zur Entstehung des Werks, Kontroversen und Kritiken.

Zum besseren Verständnis der verwendeten Wörter findet man auch ein kleines Dialektlexikon im Anhang. Ja, und nicht zu vergessen, auf einer beigelegten CD ist Willi Resetarits (Kurt Ostbahn) mit Textauszügen zu hören.

Weil gerade Volkszählung so aktuell wie bei Christi Geburt ist, hier eine wertfreie Textkostprobe:

"Es begab sich aber, in jenen Tagen erging ein Erlass des Kaisers Augustus, den ganzen Erdkreis aufzeichnen zu lassen." - "Jezd hod owa grod domoes da Keisa Augustus augschoffd ghobt, das iwaroe genau aufgschriim wiad, wea wo dahaam is und wüfü das s oeso san, wos a unta seina Fuchdl hod."

Sollte sich jemand vielleicht an die Aposteltitulierung mit "Hawara" stoßen, der darf erfahren, dass das Wort aus dem Hebräischen kommt. "Chawer" bedeutet so viel wie Genosse, Gefährte, Freund. "Es ist recht wahrscheinlich, dass Jesus seine Jünger ¸Chawerim` nannte" erfuhr Teuschl von einem Theologieprofessor.


© 2001  Oberösterreichische Nachrichten

Last Updated: 29. April 2001

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